Hurra, ein Rechtschreibfehler!
Vor ein paar Tagen musste ich einen amtlichen Antrag an meinen Arbeitsgeber per Email abschicken, um meine Arbeitsstunden zu erweitern. Einen Tag später erhielt ich den Anruf, dass ich beim Antrag die falsche Schule (die ich ablehnte!) angegeben hatte, das Schreiben also noch einmal richtig verschicken sollte. Dass mir dieser Fehler unterlaufen war, war mir als Perfektionistin schon ziemlich unangenehm. Ich ärgerte mich über meine eigene Unachtsamkeit, ja spürte sogar Wut über mich selbst aufsteigen.

Also setzte ich mich an die Korrektur. Nachdem ich die“ richtige Schule“ in das Schreiben eingefügt hatte, drückte ich auf den „Senden-Button“. Eine Sekunde später stach mir ins Auge, dass ich das Wort „korrigiert“ ausversehen auch beim ersten „i“ mit „ie“ geschrieben hatte. Sofort versuchte ich den Sendungsverlauf zu stoppen. Das System meldete aber, dass die Email bereits den Postausgang verlassen hatte.
In diesem Moment wollte ich am liebsten im Boden versinken. Es war mir so peinlich, (auch noch bei diesem Wort!) einen Rechtschreibfehler eingebaut zu haben. Kurzerhand schickte ich also die dritte Fassung des Vertrages ab. Dabei konnte ich mir den Verweis nicht verkneifen, dass ja Advent wäre und diese Zeit uns an die Menschlichkeit und damit Fehlerhaftigkeit jedes Menschen erinnern würde.
Jedoch ging mir dieses Missgeschick noch den ganzen Tag nach. Es vermieste mir regelrecht den Tag, bedrückte mich. Am liebsten hätte ich mich in Luft aufgelöst. Ich schämte mich vor den Vorgesetzten, dass ich als Lehrerin, noch dazu bei einem amtlichen Dokument, einen solchen Fehler eingebaut hatte. Ich hörte die niederschmetternden Stimmen aus meiner Kindheit: „Du willst Lehrerin werden und machst solche Rechtschreibfehler?!“ Mein Mann (nicht Perfektionist), der das alles mitbekommen hatte, konnte meine quälende Selbstverdammnis nur schwer nachvollziehen.

Ein paar Tage später erhielt ich das Antwortschreiben meines Arbeitgebers mit der Post. Was entdeckte ich da?
Noch nie habe ich mich so sehr über einen Rechtschreibfehler gefreut, ja gejubelt! Er war für mich in diesem Moment wie ein befreiender Erlösungsschlag, das Aufspringen von Ketten, ein Reden vom Himmel: Selbst die höchsten Autoritäten, die ganz oben sitzen, die Profilehrer und Wissenschaftler – selbst die, die anderen die Rechtschreibung beibringen – selbst die dürfen sich Fehler erlauben! Kein Mensch, niemand ist perfekt und muss es auch gar nicht sein. Ja, Fehler und Unperfektheit machen sogar sympathischer, entlasten, befreien.
Von Herzen dankte und preiste ich Gott für den Rechtschreibfehler meines Dienstvorgesetzten (Wenn der davon wüsste!). Einmal mehr lehrte mich diese Geschichte:
Nur Gott allein ist der ultimative Maßstab: Perfekt und barmherzig zugleich!
„Denn niemand ist gut, als nur Gott allein.“ (Mk 10, 18) Ich darf fehlerhaft sein und bin gerade deshalb geliebt. Wie wunderbar!


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